Wagners Ring zwischen KI und Klangzauber #38
Transkript anzeigen
00:00:00: Willkommen zum Epoch Times Podcast mit dem Thema Wagnas Ring zwischen KI und Klangzauber.
00:00:07: Ein Artikel von Kerstin Schwarz, zwölfter August zwei Tausendsechsundzwanzig am Mikrofon Silke Ohlert.
00:00:15: Erstmals hat die künstliche Intelligenz in Bayreuth die Bildregie übernommen und liefert einen undefinierbaren Bilderwust ohne roten Faden.
00:00:25: Musikalisch aber ist der Jubiläumsring ein Triumph.
00:00:30: Eine geniale Parabel um Macht und Liebe ist Richard Wagners Tetralogie der Ring des Nibelungen, die auf das mittelalterliche Nibelungenlied und andere mythologische Texte zurückgeht aber doch eine ganz eigene Schöpfung ist.
00:00:45: Und von allen Opern, die je geschrieben wurden, ist er womöglich diejenige, die unmissverständlich aufzeigt dass die Welt an der grenzenlosen Gier nach Macht- und Geld krankt.
00:00:57: Sie vereidelt die Chancen der Liebe, macht aus denen, die die Herrschaft erlangen wollen, üble und finstere Gestalten.
00:01:05: Und so stehen in der Oper die Zwillinge Sieg Linde und Siegmund in ihrer unschuldigen, incestuösen Liebe füreinander – und Brünhilde in ihrer wahrhaftigen Liebe zu Siegfried auf verlorenem Posten!
00:01:20: Zeit für einen Rückblick.
00:01:23: Wie unterschiedlich sich dieses Drama in seiner Zeitlosigkeit auf die Bühne bringen lässt, haben Generationen von Regisseuren facettenreich aufgefächert.
00:01:32: Allein in der Nacht im Zweiten Weltkrieg einsetzenden jüngeren Aufführungsgeschichte der Bayreuther Festspiele ließen sich zahlreiche packende Deutungen erleben – angefangen von denen auf Abstraktion zielenden Arbeiten wie Land Wagners auf halb leerer Bühnen.
00:01:49: Eine der bedeutendsten Instinierungen schuf newtonhundertsechsen-siebzig, der damals noch sehr junge Patrice Charrot mit seinem Kapitalismus kritischen Jahrhundert ringt.
00:01:59: Der die Mythenwelt in das Zeitalter der frühen Industrialisierung verlegte.
00:02:05: Ab den späten newtonhnachtziger Jahren interpretierte Harry Kupfer das Werk – inspiriert von der Katastrophe in Chernobyl als einen ewigen zerstörerischen Kreislauf der Menschheitsgeschichte.
00:02:18: Die jüngere Bayreuther Aufführungsgeschichte brachte zusehends weniger sehenswertes zu Wege.
00:02:24: Allenfalls an den sogenannten farbenprächtigen Designering von Alfred Kirchner und der Bühnenbildnerin Rosalie, der aus visuellen Formen eigenständige Kunst formte, wird sich manch einer noch erinnern!
00:02:38: In den Arbeiten von Jürgen Flimm und Tankrit Dorst ließ sich das E-Post noch wiedererkennen.
00:02:44: Danach wurde es zusehends abenteuerlicher und absurder, bildeten Musik und Szene sogar keine Einheit mehr.
00:02:53: KI – ziemlich beliebige Schoße!
00:02:56: In der Situation erschien jedenfalls die Idee einer semi-szenischen Zeitreise durch die lange Aufführungsgeschichte zum Hundertfünfzigjährigen bestehen der Festspiele gar nicht so abwegig….
00:03:08: Wie sich herausstellen sollte, war die Festspielleiterin Katharina Wagner nur nicht gut beraten gewesen diese Unternehmung künstlicher Intelligenz zu überlassen.
00:03:18: Denn die bringt keinen Sinn in die Optik – überblendet per Videolandschaften, abstrakte Kunst, Porträts von Politikern und Personen der Zeitgeschichte sowie allerhand Ramsch & Schrott.
00:03:30: eine ziemlich beliebige Schose also auch wenn hier-und da Poesie aufflackert.
00:03:35: Ein roter Faden, aber lässt sich in dem undefinierbaren Bilderwust nicht ausmachen.
00:03:42: Und wie wohl sich diese visuelle Show ein bisschen anfühlt.
00:03:45: wem Kino?
00:03:46: wurden die Möglichkeiten des Kinos nicht genutzt, die einen szenischen Mehrwert hätten bieten können?
00:03:52: Das Ungeheuer, in das sich Alberich verwandelt um Loge und Wotan stolz seine Verwandlungskunst unter der Ternkappe demonstrieren zu können wird zwar in Gestalt einer monströsen Echse mit spitzen Zähnen kurzzeitig sichtbar.
00:04:06: Die kleine Kröte aber als die sich Alberg kurz darauf präsentiert durfte man vergebens in einem abstrakten Musterbild suchen.
00:04:15: Wesentlich gezielter hätte ein Filmemacher die Bildfolgen auf die Musik abstimmen und im Idealfall mit dem Dirigenten Hand in Hand arbeiten können.
00:04:24: Aber dafür reichte vermutlich das Geld nicht, die Idee mit der KI kam ja doch ins Spiel weil die Festspiele sparen mussten.
00:04:33: Klangsinnlich feinfühlig berührend Immerhin musikalisch schreibt dieser Jubiläumsring-Geschichte.
00:04:40: Dafür steht allen voran der Name des Dirigenten Christian Thielemann, der durchlebt das Drama mit dem Bayreuther Festspielorchester.
00:04:48: hochemotional packend in den dramatischen Momenten berührend und unendlich zärtlich im lyrischen wie es aktuell in der Wagner Rezeption einmalig ist.
00:04:59: Allein schon das Vorspiel zur Valküre, mit seinen stürmischen Bewegungen in den Jelly die mit einem Mal so leise werden dass man die Ohren spitzen muss um sie überhaupt noch zu hören.
00:05:11: Lies sich selten so unheimlich vernehmen.
00:05:15: Der Graben mit seiner besonderen Akustik hat daran freilich seinen Teil.
00:05:19: Anderswo würde man dieses vier oder fünffache Pianissimo gar nicht mehr hören und das ohne optische Ablenkung Bei den Vorspielen.
00:05:28: immerhin bleibt der Vorhang geschlossen, als würde Thiele man sagen – die gehörten ihm.
00:05:35: Seinem Ruf als Zauberer wird er bei Reuter Publikumsliebling aber auch gerecht in der Weise wie sich die Musik unter seiner Leitung über alle Schwächen des zähnischen Konzeption hinweg setzt sowie über die unvorteilhafte Idee dem Chor, blendend einstudiert von Thomas Eidler de Lindt vor den Augen des Publikum zu
00:05:55: verbergen.".
00:05:57: Als wäre der nicht aktiv in die Handlung eingebunden, insbesondere in einem so spannungsvollen Moment, in dem Brünnhilde den für sie unerklärlichen Verrat Siegfrieds bemerkt.
00:06:08: Ist sie entrückt?
00:06:10: Schließlich weiß sie nicht, dass er abgrundtief böse Hagen mit einem speziellen Trunk dafür gesorgt hat, das Siegfridsi vergessen musste!
00:06:20: Nur wer von tiefer Liebe für Wagnas Musik erfüllt ist, vermarkt sie derart klangsinnlich feinfühlig und berührend zu durchleben.
00:06:30: Bei Telemann spürt man das von der ersten bis zur letzten Note – auch stimmlich.
00:06:38: ein Fest!
00:06:40: Auch was die Sänger anlangt, ist dieser Jubiläumsring ein Fest.
00:06:44: Zwei Protagonisten sind dabei besonders hervorzuheben.
00:06:48: Michael Volle und Klaus Florian fuckt.
00:06:51: Groß- und profund tönt volles Wotan, textsicher und verständlich, schön im Tarnbreh agil in allen Lagen und bewegend als ein in seinem Handeln von Zwängen bestimmter wirklich trauriger Gott.
00:07:07: Generft von Fricka seiner Gemahlin eine dunkle glühnprächtige Stimme wie einen gereiften Rotwein.
00:07:14: Anna Kisjudit?
00:07:16: Die darauf dringt dass die Zwillinge Siegmund und Sieglinde etwas eng und spitz in der Höhe, Elsa von den Häver, nicht einander lieben dürfen und durch Tod voneinander getrennt werden müssen.
00:07:30: Von Zorn erfüllt gegenüber der Wunschmeid Brünhilde die es gewagt hat entgegen seinen Anweisungen Siegmund im Zweikampf Schutz zu bieten.
00:07:41: Und dennoch erfüllt vom großen Schmerz Wenn es nach Zähem ringen, um die richtige Strafe darum geht von dem herrlichen Kühnenkind Abschied zu nehmen.
00:07:53: Mit Klaus Florian Vogt ist wiederum einer der wenigen heutigen Sänger an Bord, die über eine markante helle unverwechselbare Stimme und schier endlose Reserven verfügen.
00:08:05: Insgesamt zwölf Vorstellungen mit ihm als Loghe Siegmund-und Siegfried sind angesetzt.
00:08:11: Acht davon hatte er am Ende des zweiten Zyklus mit großer Strahlkraft ohne den geringsten Anflug von Ermüdung bewältigt.
00:08:20: Camilla Nielund ist als Brünnhilde die dritte große Protagonistin, dass sich in dem großen Beifall für sie nach Ende der Götterdämmerung auch einige Buchrufe mischten lässt sich schwer erklären.
00:08:35: Stürmisch brausender Applaus für Thielemann.
00:08:39: Gerade in den letzten beiden Teilen der Tetralogie präsentiert sich die Finnen in Topform.
00:08:45: Die so liebliche, entsprechend vom Festspielorchester grundierte Stelle Ewig War Ich Ewig Bin ich Siegfried III.
00:08:52: Akt gelingt ihr mit besonders schönen lyrischen Stimmgaben und wie sie in ihrem kraftzehrenden Schlussgesang starke Scheite schichtet mir dort ihre Spitzentöne imposant ablefert.
00:09:06: alle Achtung!
00:09:08: Auch alle übrigen Figuren, nur etwas unterschiedslos und zum Verwechseln ähnlich gekleidet – prachtvolle Silberkostüme.
00:09:16: Pia Maria Mackert sind überwiegend solide bis trefflich besetzt.
00:09:22: Sind die visuellen Kreationen der KI bisweilen auch zum Fremdschämen?
00:09:27: Musikalisch übertrifft dieser Jubiläumsring die hohen Erwartungen an den Dirigenten.
00:09:35: So lautstarker Jubel bei einem Ring war an diesem Ort lange nicht mehr.
00:09:41: Als sich Christian Thielemann am Ende ganz allein vor dem Vorhang zeigt, wird er derart emphatisch gefeiert, dass man hätte meinen können das Festspielhaus Stürze ein.
00:09:51: Es ist hoffentlich nicht seine letzte Einstudierung dieses Werkes – an diesem.
Neuer Kommentar